FO Upcycling - Vom Herrenhemd zur Bluse


Wie es der Zufall so will ...

Manchmal stolpert man unerwartet über tolle Ideen. So ist es mir vor einigen Monaten auf Instagram gegangen. Wie ich mich dort so durch meinen Feed gescrollt habe, bin ich bei diesem kleinen Beitrag hängen geblieben. Nachdem ich mit Begeisterung Liz Brysons Instagram-Profil studiert habe, habe ich auch direkt ihren Blog "cotton + curls" besucht.

Liz Bryson stellt auf ihrem Blog - neben vielen kleinen DIYs und persönlichen Einblicken in ihr Familienleben - wunderbare Beiträge zum Thema "Refashion" vor. Ihre Refashion-Projekte sind mit kleinen Video-Anleitungen unterlegt und zusätzlich noch ausführlich beschrieben, so dass man hier auch als Gelegenheits-Näherin hübsche Ideen und wertvolle Tipps abstauben kann.

Von der Inspiration zum eigenen Projekt

Ich habe mir nun einige Refashion-Projekte von Liz Bryson angesehen und mir juckte es auch gleich in den Fingern mich selbst einmal an so einem Projekt zu versuchen ... so ganz ohne Schnittvorlage!

Da kam mir ein kleiner Fund im heimischen Kleiderschrank wie gerufen. Seit meiner letzten Renovierungsaktion hängt in meinem Kleiderschrank ein altes Hemd von meinem Papa. Selbstverständlich habe ich es zwischendurch gewaschen und gebügelt, aber es hing dort und wartete auf die nächste Renovierung.

Mit diesem Hemd im Hinterkopf habe ich also beim Eigentümer - meinem Papa - nachgefragt, ob er es vermissen würde wenn ich es zerschneide ... die Antwort war ein klares Nein! - Super!


Wie ihr auf den ersten Blick unschwer erkennen könnt, sind meine Voraussetzungen für dieses Projekt nicht ganz die selben wie auf cotton + curls empfohlen. Denn idealerweise sollten wir auf ein Oversize-Hemd ... also ein Hemd in Übergröße ... zurückgreifen. Der Grund ist denkbar einfach: ein größeres Hemd bedeutet mehr Stoff für die Umsetzung der eigenen Refashion-Idee!

Sollte es aber kein Oversize-Hemd sein - wie bei mir - lässt sich aber selbst das mit ein paar kleinen Modifikationen anpassen.

Ich habe bei der Schnittvorlage auf eine Bluse mit angeschnittenen Ärmeln zurückgegriffen, die um die Körpermitte etwas Luft lässt - also ein gerader Schnitt. Meine Empfehlung - solltet ihr einen eigenen Versuch wagen - ist, greift nicht auf ein T-Shirt als Vorlage zurück. Denn T-Shirts sind normalerweise aus Jersey, der weich und dehnbar ist. So ein Herrenhemd ist aber selten dehnbar und auch der Baumwollstoff selbst ist bei Hemden fester, denn er soll ja die Form den ganzen Tag halten und nicht ausbeulen.


Die kleinen Hürden sind das Salz in der Suppe

Anhand von Liz Brysons Filmbeitrag habe ich - das muss ich ehrlicherweise zugeben - mit einem einfachen Nähprojekt gerechnet, das in 1 bis 2 Stunden hätte gemeistert werden können. Nix da!

Ich habe nach jedem Nähschritt meine Bluse anprobiert und das war auch gut so. Bei der ersten Anprobe habe ich gemerkt, dass ich die Ärmel so eng genäht habe, dass ich die Bluse gar nicht anziehen konnte. Also habe ich die Schulternaht geöffnet und einen 2 cm breiten Streifen vom Kragen bis zum Ärmel eingenäht. Der nette Nebeneffekt war, dass sich die Schulter dadurch gut formt (das könnt ihr auf dem Bild unten rechts sehen). Nichtsdestotrotz empfehle ich euch mit großzügigen Nahtzugaben zu arbeiten, damit ihr ausreichend Stoff für Korrekturen habt.

Auch die Rüschenärmel habe ich nach dem ersten Nähen wieder auftrennen müssen. Aber das lag wohl eher daran, dass ich mitten in der Nacht genäht habe, als ich hätte schlafen sollen.

Den unteren Saum habe ich von einem geraden Abschluss am Herrenhemd in einen runden Abschluss verwandelt. Dieses kleine Element, was man klassischerweise auch sehr häufig bei Herrenhemden findet, passte hier gut zu der Blusen-Idee. Beim Nähen von runden Abschlüssen solltet ihr darauf achten, dass ihr die Nahtzugabe an einigen Stellen einschneidet. Andernfalls steht der Saum später unschön ab und ihr ärgert euch.

Am Blusenausschnitt habe ich wohl am längsten gebastelt. Ich hatte anfangs noch gar keine Idee welche Art Ausschnitt ich an der Bluse gern hätte. Während des Nähens habe ich dann verschiedene Varianten im Kopf durchgespielt und bei den einzelnen Anproben mit Stecknadeln die Ideen abgesteckt. Die richtige Idee ließ dennoch bis zum Ende auf sich warten ... und dann war es auf einmal klar: ein V-Ausschnitt. Also habe ich noch einmal meine Schere gezückt um mich der überschüssigen Ecken zu entledigen und einen hübschen kleinen abgesteppten V-Ausschnitt genäht.

Mein Fazit

Die Idee einem alten Kleidungsstück zu neuem Glanz zu verhelfen finde ich sehr inspirierend - und nicht nur hinsichtlich der Nachhaltigkeit und Langlebigkeit. Upcycling oder Refashion sind gute Möglichkeiten um das eigene Nähtalent ohne großen finanziellen oder materiellen Aufwand zu testen und zu verbessern. Projekte dieser Art schulen das eigene Auge und regen die Fantasie an.

Es muss ja auch nicht immer ein komplettes Kleidungsstück zerschnitten werden. Vielleicht hübscht ihr einfach nur ein älteres früher-mal-gern-getragenes-heute-nicht-mehr-ganz-so-hübsches Einzelteil auf ... mit Nieten, Rüschen, Passen, Paspel, Schlitzen, Schleifen etc.

Probiert Trends im Kleinen oder in eurer eigenen Komfortzone aus. Testet Schnittvarianten an Ärmeln, Kragen oder Zierelementen.

Ich werde mich auf jeden Fall beim nächsten Besuch in einem Second-Hand-Laden nicht mehr nur in der Ecke mit meiner Konfektionsgröße umschauen. Wer weiß schon, wo sich alles schöne Muster und Materialien finden lassen ... und was man daraus so alles machen kann.

Habt ihr Ideen für aus-alt-mach-neu-Projekte? Habt ihr vielleicht selbst schon mal so etwas umgesetzt? Habt ihr Tipps?

Frohes Schaffen und Waidmannsheil!

Eure Elisa

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